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Zunftmarktverein forciert die Jugendarbeit

Bad Wimpfen - Als kleiner Junge lebte Julius Würz in der Bollwerksgasse. „Damals hatten wir noch Wagner, Schlosser, Schmid und viele andere Handwerker in unserer unmittelbaren Nachbarschaft“, sagt der Vorsitzende des Bad Wimpfener Vereins Zunftmarkt. Wo sind sie hin? Verschwunden. Die Technisierung macht Handarbeit überflüssig. Sie ist schier unbezahlbar geworden.

Lila Kuh In Zeiten, in denen nicht mehr nur Großstadtkinder glauben, das Fell von Kühen sei lila, hält es Würz für umso wichtiger, anschaulich altes Handwerk in Erinnerung zu rufen. Und Interesse zu wecken - vor allem bei den Kindern. Beim Zunftmarkt am Wochenende spielen sie eine wichtige Rolle. Sie dürfen bei den Meistern in die Lehre gehen und Berufe des Steinmetz, Bäckers, Kerzenziehers, Schmieds, Töpfers oder Kränzeflechters erlernen. Im Haus Burgviertel 21 werden sie vom Verein standesgemäß eingekleidet.

Die Jugend ab dem Grundschulalter haben die Vereinsaktiven auserkoren, um langfristig die Vereinsidee umzusetzen, alte Gebräuche und Traditionen hochzuhalten und altes Handwerk zu bewahren. „Dafür müssen wir noch einiges tun“, sagt Würz. Erste Erfolge sind zu erkennen. So blasen die drei Obereisesheimer Brüder Daniel, Andreas und Philipp Neuwirth mit ihren Businen (Fanfaren) am Samstag zur Eröffnung, um anschließend die Maut von den Besuchern zu kassieren. Der 130 Mitglieder zählende Zunftmarktverein, bei dem lediglich der unermüdliche zehnköpfige Vorstand aktiv ist, hält für die 616. Auflage am Samstag und Sonntag, 25. und 26. August, einige Überraschungen bereit. Eröffnet wird der Markt am Samstag, 12 Uhr vom Marktvogt Raban alias Hans Dieter Wagner beim blauen Turm. Am Sonntag beginnt das mittelalterliche „Spectaculum“ um 11 Uhr. Seinen Ursprung hat der Zunftmarkt im Wimpfener Hafenmarkt. 1391 verlieh König Wenzel dieses Recht zum ersten Mal der reichsstädtischen Töpferzunft. Auf dieses Ereignis baut der Zunftmarkt auf und hält damit eine über 600 Jahre alte Tradition lebendig. Rechenmacher, Lederer, Glasbläser, Bürstenmacher, Weberinnen und Kalligraphen - über 70 Handwerker zeigen ihre Kunst und bieten mittelalterliche Waren feil, die sie mit alten Werkzeugen und Fertigungstechniken hergestellt haben. „Dabei achten wir darauf, dass die Handwerker ihre Ware selbst herstellen, keine Ware aus Tschechien oder Indien anbieten“, sagt Wagner. Wer dagegen verstößt, ist nächstes Mal nicht mehr dabei. Also ist höchste Qualität gewährleistet. Im Mittelpunkt des Zunftmarkts sollen heuer Steinmetze und Bildhauer stehen. Im Hof der Arkaden zeigen sie ihr Können und stellen einige ihrer Werke aus. Zudem beleben die Ritter den Roten Turm.

Firlefanz Seit 20 Jahren spielen sie auf zum Teil selbst gebauten Instrumenten, trällern Lieder, spielen auf Flöten, auf Laute oder Dudelsack und tanzen dazu: die Gruppe Käshammer und Nagel aus Mannheim. An beiden Markttagen treten zudem die Wimpfener Tanzgruppe Tanzschuh und die Gauklergruppe Firlefanz aus Bayern auf. Am Samstag wird gegen 20 Uhr ein Fackelumzug durch die Altstadt geboten. Der Unkostenbeitrag beträgt pro Markttag für Erwachsene vier Euro und für Jugendliche zwei Euro. Kinder bis 14 Jahre in Begleitung Erwachsener sind frei.

Den Zunftmarktverein gibt es seit 1988. Neben der Organisation des Zunftmarkts sollen historische Ereignisse nachgestellt werden, beispielsweise Ende Mai 2008 bei einem Ritterturnier. Hier sollen Familien mit Kindern verstärkt eingebunden werden. Wer Lust hat, beim Verein mitzumachen, ruft unter Telefon 07063/96030 an.

Quelle: Rolf Muth, Heilbronner Stimme

 
     
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