Die Zeit ist reif für Gaukler und Ritter
Bad Wimpfen - Fünf Dinge wünscht sich Till Wagner: gutes Wetter, freundliche Besucher, nette Handwerker, willige Helfer, einen unfallfreien Verlauf. Der Zunftmarkt steht vor der Tür. Gehen Wagners Wünsche in Erfüllung, verspricht Bad Wimpfens 617. mittelalterlicher Markt ein Erfolg zu werden.
75 bis 80 Handwerker erwarten die Organistoren des farbenfrohen Spektakels. Im Burgviertel zeigen sie am Samstag und Sonntag, 30. und 31. August, wie Pfeil und Bogen gebaut oder Körbe geflochten werden. Schmiede stellen aus Eisen Kunst und Waffen her. Allerlei erleben Erwachsene für einen Kostenbeitrag von fünf Euro, Jugendliche zahlen 2,50 Euro. Kinder in Begleitung Erwachsener zahlen nichts.
Zukunft Seit exakt 20 Jahren gibt es den Zunftmarkt-Verein. „Wir haben klein angefangen“, mit dem Hafenmarkt hinter dem Rathaus, erinnert sich Julius Würz, Vorsitzender des Vereins. Die Zahl der Handwerker stieg von Jahr zu Jahr und pendelt sich seit einigen Jahren bei weit über 70 ein. Mehr lassen auch die engen Gassen der Altstadt nicht zu.
Die Zeit der Staufer, Ereignisse, die viele hundert Jahre zurückliegen, beschäftigen die Vereinsmitglieder. Die Zukunft behalten sie im Blick. So setzen die wackeren Streiter um Julius Würz und seine Stellvertreter, Till Wagner und Reinhard Stüwe, verstärkt auf Marketing und Öffentlichkeitsarbeit. Aus gutem Grund: Die Besucherzahlen stagnieren. „Wir hatten schon weit über 10 000 Besucher“, erzählt Reinhard Stüwe von Zunftmärkten Ende der 90er-Jahre. Inzwischen kommen nur noch 5000 bis 6000. „Obwohl wir vom Preis her am günstigsten sind“, betont Stüwe. Zugenommen hat die Konkurrenz. Als der Zunftmarkt-Verein anfing, den Mittelaltermarkt in Bad Wimpfen zu etablieren, gab es nur in Angelbachtal eine ähnliche Veranstaltung, erzählt das Vorstandstrio. Inzwischen lockten allerdings auch Beilstein, Burg Guttenberg in Haßmersheim oder Burg Stettenfels in Untergruppenbach mit vergleichbaren Angeboten. Punkten will das Wimpfener Spektakel auch mit einem eigenen Programm für Kinder. Bei der Unteren Turmgasse, sagt Stüwe, gibt es eine Spielstraße, die Teilnahme an den Aktionen ist bereits im Eintrittspreis enthalten. „Wir werden das Kinderprogramm weiter ausbauen“, kündigt Stüwe an. „Es soll uns abheben von anderen mittelalterlichen Märkten.“
Auf Treu und Glauben Der Zunftmarkt lebt von dem, was die Besucher am Eingang als Obolus entrichten. Eine Standgebühr verlangt der Verein nicht. Die Handwerker geben fünf Prozent ihres Umsatzes – „auf Treu und Glauben“. In Zukunft soll der Sponsorensuche mehr Zeit gewidmet werden. Gute Erfahrungen machten die Mitglieder beim Stauferfest im Mai des Jahres, das von 15 Sponsoren getragen wurde.
Besucher tauchen in die Vergangenheit ein. Händler bereichern das Marktgeschehen. So bietet beispielsweise ein Tee- und Gewürzhändler Waren feil. Der Zunftmarkt beginnt am Samstag um 12.45 Uhr beim Blauen Turm und am Sonntag um 10.45 Uhr. Ein Fackelzug zieht am Samstag um 20 Uhr durch die Straßen – in Bad Wimpfen ist die Zeit für Spielleute, Tänzer, Gaukler und Ritter gekommen.
Quelle: Heike Kinkopf, Heilbronner Stimme



