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Die Faszination der Ritterzeit

Bad Wimpfen - Das Schöne hier ist, dass es viel mehr handwerkliche Vorführungen gibt und musikalische Darbietungen als bei Jahrmärkten, und auch die Kinderspielstraße ist toll.“ Kirsten Merkle aus Bad Rappenau schlendert begeistert mit ihren Kindern Lea (7) und Lukas (5) durch Wimpfens Burgviertel. Das bietet beim Zunftmarkt etwa 7000 Besuchern noch mehr Mittelalterflair, als es ohnehin hat. Überall Menschen in historischen Gewändern: Ritter, Tanz-, Jonglier- oder Gauklergruppen, um die sich schnell eine kleine Menschentraube schart, um zuzuhören, zuzusehen oder mitzumachen.

75 Handwerker zeigen ihre alten Künste. Wer weiß noch, wie man ein Schwert schmiedet, einen kunstvollen Bogen zum Schießen mit Pfeilen herstellt? Arbeitet der eine still und konzentriert an einer Intarsieneinlegearbeit aus Holz, so ist es beim Schmied laut und heiß. „Es gefällt mir gut, weil meine Kinder auch sehen können, wie die Dinge früher gemacht wurden“, sagt der Kirchardter Volker Gebhart, mit Elias (6) und Lina (4) gekommen.

Er gehört wie die Merkles zur Hauptzielgruppe. „Wir sehen das als Fest für Familien“, sagt Julius Würz, Vorsitzender des Zunftmarktvereins. Dieser organisiert das mittelalterliche Ereignis und hat 130 Mitglieder, nicht nur aus Bad Wimpfen. Herbert Blumberg beispielsweise ist Weinsberger. Der Hobby-Historiker schlüpft am Zunftmarkt in das originalgetreu nachgebildete Gewand von Engelhard von Weinsberg, so wie Julius Würz sich in den Kleidern des staufischen Ministerialen Wilhelmus von Wimpfen aus der Zeit um 1235 wiederfindet.

„Unser großes Anliegen ist es, Familien hierher zu kriegen“, sagt auch Blumberg. Dafür stehen eine attraktive Spielstraße und niedrige Eintrittspreise. Fünf Euro für Erwachsene, 2,50 für Jugendliche und Kinder bis 14 Jahre frei. „Die Leute sollen nicht alles Geld am Eingang benötigen, sondern auch noch was einkaufen können“, denkt er. Eintritt zu verlangen, ist unausweichlich. Die Gaukler, die Spielleute, die Rittervorführungen müssen bezahlt werden. Und manch Handwerker, der den Bau wertvoller Instrumente zeigt, hat kaum eine Verkaufschance. Auch er braucht eine Gage.

Ungewöhnlich sind auch die Standgeführen. Nicht Euro pro Meter Stand, sondern einfach fünf Prozent des Umsatzes zahlen die Händler „auf Treu und Glauben“.

Den Handwerkern gefällt es in Wimpfen – nicht nur deshalb. Der Feinschmied Roman Zanker aus dem bayerischen Bissingen, der im Heißprägeverfahren zeigt, wie man nur mittels eines Metallstempels glühendes Eisen in hübsche Medaillen verwandelt, ist auch angetan von der „tollen Atmosphäre und der angenehmen Kollegialität untereinander“. „So 60 von den 75 sind sicher schon mehrfach dagewesen“, sagt Julius Würz vom Zunftmarktverein über die Treue der Handwerker.

Die haben meist gute Resonanz und, wie Steinmetz Oliver Lambert, Spaß, den Leuten „den Wert des alten Handwerks nahezubringen“. Er stammt aus einer Ulmer Steinmetzfamilie. Der Urgroßvater arbeitete schon an der Münsterbauhütte, und Sohn Ragnar vertritt bereits geschickt den Vater, wenn er zwei Gleichaltrigen erklärt, wie sie mit dem Hammer den Meißel in den Sandstein treiben müssen. Was der 14-Jährige mal wird, ist klar: „Mein Traumberuf isch Steinmetz.“

Quelle: Herbert Kaletta, Heilbronner Stimme, 01.09.08

 
     
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